Chapter 9

Lunas verborgene Vergangenheit

Während ihrer Reise und der Auseinandersetzung mit den Runen bemerkt Seraphina immer wieder, wie Luna auf bestimmte Symbole oder Namen reagiert. Manchmal scheint sie mehr zu wissen, als sie preisgibt, und ihre Reaktionen sind oft von einer tiefen, persönlichen Betroffenheit geprägt. Seraphina beginnt, Luna nach ihrer Vergangenheit auszufragen. Luna weicht aus, doch eines Abends, als Seraphina das Amulett hält und die Runen sie zu überwältigen drohen, offenbart Luna zögernd Teile ihrer eigenen Geschichte. Sie war einst Teil einer Organisation, die sich mit solchen Artefakten beschäftigte, und hat dabei schwere Verluste erlitten. Ihre Geheimnisse und die Gründe für ihre tiefe Verbindung zu den Ereignissen werden langsam enthüllt, was Seraphinas Vertrauen in sie stärkt, aber auch neue Fragen aufwirft.

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Der Abend senkte sich wie ein samtenes Tuch über die kleinen Stadt, und die Sterne begannen, ihre eiskalten Augen auf die Welt zu werfen. Im Inneren des alten Hauses, das nun Seraphinas neues, wenn auch noch fremdes Zuhause war, flackerte das Licht der Kerzen im Rittersaal. Die Luft war erfüllt vom Duft nach getrockneten Kräutern und altem Holz, ein Geruch, der Seraphina langsam vertraut wurde, aber noch immer die Spur einer fremden, wilden Magie in sich trug. Sie saß am massiven Eichentisch, vor sich das Amulett, das Luna ihr gegeben hatte. Es war kalt auf ihrer Haut, ein ständiger, fast unheimlicher Begleiter.

Die Runen, die sie in den letzten Tagen mit Luna studiert hatte, tanzten in ihrem Kopf. Sie waren mehr als nur Symbole; sie schienen lebendig zu sein, zu flüstern, zu drängen. Und immer wieder, wenn ein bestimmtes Zeichen auftauchte, ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte, oder eine Spirale, die sich in sich selbst zu verfangen schien, bemerkte Seraphina eine Veränderung in Luna. Ein Zucken der Augenlider, ein kurzes Anspannen der Schultern, ein Hauch von etwas, das wie Schmerz aussah, aber auch wie tiefe Erinnerung. Luna, die sonst so unerschütterlich war, schien von diesen Runen auf eine Weise berührt zu werden, die Seraphina nicht verstand. Es war, als würden diese alten Zeichen eine Saite in Lunas Seele zum Klingen bringen, eine Saite, die sie geheim zu halten schien.

„Luna“, begann Seraphina zögernd, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauchen. Sie hatte es schon oft versucht, hatte versucht, die aufkommende Neugier in sich zu unterdrücken, aber die ständigen Andeutungen, die unausgesprochenen Worte zwischen ihnen, wurden zu einem unerträglichen Gewicht. „Du… du reagierst immer so, wenn wir diese Runen sehen. Die, die… die wie Kreise aussehen, oder diese verschlungenen Linien.“

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