Chapter 9
Die Stunde der flüsternden Türen
Minna wacht nach einer unruhigen Nacht auf, spürt den nahenden Abschied und erkennt, dass die Dorfgemeinschaft gespaltener denn je ist. Sie sucht Trost im Gespräch mit Karl, erlebt ein letztes, gemeinsames Ritual mit Miss Abigail und muss sich am Abend den neugierigen Blicken und Fragen der Dorfältesten stellen. Ein geheimnisvoller Fund bringt Hoffnung, doch der Abschied rückt näher. Die Freundschaft der Mädchen steht vor einer entscheidenden Prüfung, und ein letzter Gruß deutet eine offene Zukunft an.
Morgens war das Dorf in grauen Nebel getaucht. Ich lag wach, lauschte dem dumpfen Pochen meines Herzens und fragte mich, ob Träume leiser werden, wenn der Tag beginnt. Unter meinem Kopfkissen fühlte ich die Flöte, neben mir baumelte der Kürbisanhänger, als hätte er in der Nacht noch heimlich geleuchtet. Alles war still, bis auf ein Trippeln auf dem Dachboden – vielleicht eine neugierige Maus, vielleicht ein verspäteter Vogel.
In mir aber kribbelte Unruhe. Heute, das wusste ich, würde sich etwas verändern. Abigail musste bald gehen, das Dorf hatte Fragen, und irgendwo zwischen den steinernen Mauern hing mein Wunsch, dass Freundschaft über Ozeane wächst. Schon beim Frühstück spürte ich die Blicke meiner Mutter, die Worte meines Vaters: "Bleib heute nah am Haus. Die Leute reden, Minna."
Aber ich konnte nicht bleiben. Nicht jetzt, da alles in mir drängte, den Tag mit einem letzten Zeichen zu beginnen. Noch war Zeit. Ich zog den Mantel über, steckte die Flöte ein und schlich leise über den knirschenden Kiesweg zum Garten.
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