Chapter 8
Nachthauch und Federgruß
Minna ringt mit der nahenden Abschiedsstimmung, sucht verzweifelt nach Hoffnung und Antworten und findet mit Karl und Miss Abigail in einer geheimen Halloween-Nacht neue Zuversicht. Die Dorfgemeinschaft bleibt misstrauisch, Frau Grüter wird zur überraschenden Verbündeten, und ein altes, rätselhaftes Gedicht führt Minna auf die Spur eines letzten, magischen Versprechens.
Schon am Morgen lag eine schwere Ruhe über dem Dorf. In der Luft hing ein bitterer Hauch von Abschied, als wäre ein leiser Regen gefallen, der nie richtig einsetzt, aber alles grau überzieht. Ich lief barfuß durch den Garten, das taunasse Gras kitzelte an meinen Zehen, und mein Blick suchte Abigails Fenster. Die Gardine war zugezogen. Kein Licht, kein Zeichen, und mein Herz wurde schwer.
Ich hielt den geschnitzten Kürbisanhänger fest umklammert. Er war warm von meinem Griff, obwohl die Nacht ihn längst abgekühlt hatte. In mir spannte sich ein Band aus Sehnsucht und Angst. Sollte das wirklich das Ende sein? Ich wollte wenigstens einmal noch richtig fragen, wie Halloween in Amerika gefeiert wird, wollte wissen, ob sie dort auch Lieder gegen die Dunkelheit kennen, ob Wünsche jenseits des Ozeans irgendwann wirklich wahr werden.
Beim Frühstück waren die Eltern stiller als sonst. Mutter rieb die Hände am Schürzenband, als würde sie einen unsichtbaren Fleck entfernen. Vater war im Stall, blieb länger weg als gewöhnlich. Ich nahm mein Brot, vergaß zu essen, und hielt die Ohren offen für jedes Geräusch von draußen. Der Tag zog sich wie eine zu lange Schnur, und immer wieder spürte ich das Gewicht des Bandes am Hals.
Keep reading "Nachthauch und Federgruß"
Open the same story in AIBookCraft. Later chapters may require an active subscription.
Free on iOS & Android · No signup to read