Chapter 12
Winterpost und Apfelkerzen
Minna und Karl entdecken im tiefen Winter neue Zeichen von Hoffnung – einen geheimnisvollen Brief von Abigail und ein eingeschneites Geschenk unter dem Apfelbaum. Während das Dorf neue Gerüchte spinnt und Herr Schröder einen Verdacht gegen Minna äußert, verteidigen Frau Grüter und Karl ihre Freundschaft. Gemeinsam erschaffen Minna und Karl einen heimlichen Lichterweg aus Apfelkerzen, dessen Schein bis zu den Nachbarn dringt. Am Ende des Kapitels sprechen sie ein Versprechen aus und schmieden einen kühnen Plan für den kommenden Frühling, doch ein letztes, ungelöstes Rätsel bleibt bestehen.
Am Morgen, als der Wind durch die Ritzen zieht und der Schnee an den Fensterläden nagt, sitzt Karl schon im Flur und zieht sich die Stiefel an. Seine Ohren sind rot vor Kälte, aber seine Augen leuchten. „Wirst du die Maske heute tragen?“, fragt er und hält sie hoch, das rotbraune Herbstblatt schief über der Stirn. Ich nicke. Die Maske fühlt sich wie ein Talisman an – als könnte sie den kalten, grauen Tag verwandeln.
Draußen knirscht der Schnee unter unseren Stiefeln. Im Nachbarhaus schläft alles still; kein Rauch steigt aus Abigails Schornstein. „Ob sie wiederkommt?“, flüstere ich. Karl sieht mich an, zuckt die Schultern. „Vielleicht, wenn der Frühling kommt.“ Wir stapfen zum Apfelbaum. Auf halbem Weg bleibe ich stehen – etwas Rotes blitzt im Weiß.
Es ist ein Stück Band, eingefroren im Schnee, daran hängt ein winziger, versiegelter Brief. Ich bücke mich, puste die Kälte von den Fingern und knöpfe ihn vorsichtig ab. Die Schrift ist fremd, englisch, aber darunter steht mein Name in Abigails krakeligen Buchstaben. Ich öffne das Siegel, das nach Wachs und Apfelschale duftet:
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