Chapter 5
Morgen zwischen den Zeilen
Emil und Lotte folgen dem Hinweis „Morgen“ und entschlüsseln im Lesesaal die Spuren zu einem versteckten Manuskript. Dabei geraten sie in Schwierigkeiten mit den Erwachsenen und erleben, wie der Krieg die Atmosphäre in der Bibliothek verändert. Sie finden Trost und Mut in ihrer Freundschaft, stoßen aber auf eine rätselhafte letzte Botschaft, die ihre Suche in eine ungewisse Zukunft führt.
Die Nacht war wie ein schweres Tuch über Wien gefallen, und noch bevor die Kirchenglocken zum neuen Tag riefen, lag Emil wach im halbdunklen Zimmer. Das Veilchen, das goldene Buchrücken-Gedicht und das eine Wort – „Morgen“ – hatten ihn zu keiner Ruhe kommen lassen. Der Regen war vergangen; nur das entfernte Hufgetrappel auf nassem Pflaster drang durch das gekippte Fenster. Irgendwo in der Stadt wartete ein Geheimnis.
Emil wusste nicht, was der Tag bringen würde. Aber er spürte, dass es ein Tag zum Wagnis war – für Mut, Wörter und Freundschaft. Mit zitternden Händen schloss er das Fenster, zog rasch seinen Mantel über und verließ das Haus im ersten Grau.
Die Bibliothek öffnete an diesem Tag später. Soldaten standen am Portal, und Herr Doktor, bleich und angestrengt, verteilte Anweisungen. Die Stadt war unruhig: Man sprach leise vom Hunger, von Listen an Vermissten, von Gerüchten, dass bald alles anders werde.
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