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Chapter 1

Kapitel 1

Mara, eine Studentin, liest in einem alten Buch über die Nachkommen Abrahams und entdeckt eine Verbindung zwischen Germanen, Native Americans und afrikanischen Völkern.

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„Das kann nicht sein“, flüsterte Mara und ließ den Finger über die vergilbte Seite gleiten.

Sie saß in der hintersten Ecke der Universitätsbibliothek, wo das Licht der Deckenlampen nur schwach durch die hohen Regale fiel. Vor ihr lag ein Buch, das sie zufällig in der Abteilung für vergriffene Werke gefunden hatte. Der Einband war abgenutzt, das Leder an den Ecken abgeschabt, und der Titel war in einer verblassten Schrift gehalten: „Die verborgenen Stämme – Eine Spurensuche“. Es roch nach Staub und vergangenen Jahrzehnten.

Mara hatte eigentlich nach Quellen für ihre Seminararbeit über die Völkerwanderung gesucht. Stattdessen hielt sie nun ein Kapitel in Händen, das sie völlig aus der Bahn warf. Sie las den Satz noch einmal: „Die Nachkommen Abrahams zerstreuten sich in alle Welt. Ein Teil von ihnen wurde zu den Völkern, die wir heute Germanen nennen, ein anderer Teil zu den Ureinwohnern Amerikas.“

Ihr Herz schlug schneller. Das war nicht das, was sie in den Standardwerken zur germanischen Geschichte gelernt hatte. Dort sprach man von indogermanischen Wanderungen, von bronzezeitlichen Kulturen und römischen Berichten über wilde Stämme im Norden. Von Abraham war nie die Rede gewesen.

Sie blätterte weiter. Die nächste Seite begann mit einer Abbildung: eine grobe Karte, die Pfeile von der Levante nach Nordeuropa und über den Atlantik zeigte. Darunter stand ein Absatz, der Maras Aufmerksamkeit noch mehr fesselte.

„Die Germanen haben ihren Ursprung nicht allein in Europa. Ihre Wurzeln reichen tief nach Afrika, in die Länder südlich des Mittelmeers. Ebenso tragen die Ureinwohner Amerikas ägyptisches und halb arabisches Blut in sich. Dies ist kein Zufall, sondern das Erbe Abrahams, dessen Kinder in alle Himmelsrichtungen zogen.“

Mara lehnte sich zurück. Die Holzkniete der Bibliothek knarrte leise. Sie dachte an ihre eigene Familiengeschichte. Ihre Mutter hatte immer von einer entfernten Verwandtschaft mit nordafrikanischen Linien gesprochen, aber Mara hatte das für eine dieser vagen Familiengeschichten gehalten, die niemand genau nachprüfen konnte. Nun fragte sie sich, ob da mehr dran war.

Sie schlug das Buch weiter auf. Die nächsten Kapitel waren mit handschriftlichen Notizen versehen – offenbar hatte ein früherer Leser seine Gedanken an den Rand gekritzelt. „Vergleiche mit den Berichten der römischen Historiker“, stand da in einer engen, sauberen Schrift. „Tacitus erwähnt keine afrikanischen Einflüsse, aber vielleicht hat er sie nicht erkannt.“

Ein anderer Kommentar lautete: „Die Ähnlichkeiten zwischen germanischen und nordafrikanischen Schmuckmustern sind unübersehbar. Warum wird das nicht gelehrt?“

Mara schluckte. Sie spürte, wie eine seltsame Mischung aus Aufregung und Verwirrung in ihr aufstieg. Was, wenn dieses Buch recht hatte? Was, wenn die ganze Geschichtsschreibung eine entscheidende Wahrheit ausließ?

Sie blätterte zur letzten Seite des Kapitels. Dort stand eine Frage, die wie eine Herausforderung wirkte: „Wenn du dies liest, frage dich: Was würde sich ändern, wenn die Geschichte der Völker nicht nach Hautfarbe oder Kontinenten getrennt wäre, sondern nach ihrem gemeinsamen Erbe?“

Mara schloss das Buch. Ihre Hände zitterten leicht. Sie wusste nicht, ob sie dem Autor glauben sollte, aber sie wusste, dass sie nicht einfach weitermachen konnte, als hätte sie nichts gelesen.

Sie steckte das Buch in ihre Tasche und stand auf. Die Bibliothekarin an der Theke blickte kurz auf, als Mara vorbeiging, sagte aber nichts. Draußen war der Himmel grau, und ein leichter Wind wehte Papierfetzen über den Campus.

Mara hielt inne. Sie hörte das Rauschen der Blätter und das ferne Summen der Stadt. Dann fiel ihr Blick auf eine Notiz, die aus dem Buch gefallen war – ein Zettel mit einer Adresse und einer handschriftlichen Botschaft: „Komm her, wenn du die Wahrheit erfahren willst.“

Nachdenklich schaut sie sich die Adresse an. Die Straße und der Ort kam ihr bekannt vor. Es war aber keine Telefonnummer notiert. Mara nahm sich vor eine Nachricht dort im Briefkasten zu werfen und abzuwarten. Sie stieg im Bus und fuhr los.

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