Chapter 3
Der Hafen-Hinterhalt
Janine und Tony entkommen einem Angriff und suchen Zuflucht. Janine entscheidet sich, Tony zu helfen. Janine schlägt einen riskanten Plan vor, um die Russen anzugreifen. Sie will als Köder dienen und Tony ein Zeichen geben, wann der Weg frei ist. Janine erhält einen Schlüssel von Tony und infiltriert das Casino. Sie trifft Viktor, der ihr Informationen über Dimitris Ankunft gibt. Janine erfährt von Dimitris Plan, Tony am Hafen zu töten. Sie gibt Tony ein Zeichen, und sie greifen ein.
Der Wagen schießt aus der Gasse,
Reifen quietschen auf dem nassen
Asphalt. Tony zerrt mich nach unten,
sein Körper deckt mich, als eine Kugel die Heckscheibe zertrümmert. Glas regnet auf uns herab.
„Geradeaus!,brüllt er dem Fahrer zu.
Lass sie nicht an uns rankommen!
Ich spüre seine Hand in meinem Nacken, fest, aber nicht grob. Sein Atem ist heiß an meinem Ohr. Hältst du durch?
Ich nicke, obwohl mein Herz rast.
Hab schon schlimmere Nachtschichten erlebt. Da war ein Typ, der wollte seinen Martini mit einem Schuss Tränen seiner Ex-Freundin. Meine Stimme klingt
schärfer als beabsichtigt, aber sie hält.
Tony lacht kurz, ein raues Geräusch,
das im Lärm untergeht. Er richtet
sich auf und wirft einen Blick zurück.
Sie fallen zurück. Aber das war nur die Vorhut. Die Russen geben nicht auf,
bis ich blute – oder sie.
Der Wagen biegt scharf in eine
Tiefgarage. Die Lichter flackern, Neonröhren ziehen Streifen über die Windschutzscheibe. Der Fahrer bremst
vor einer schweren Stahl tür.
Wir sind da, sagt Tony und öffnet
die Tür. Ein sicherer Ort. Für heute Nacht. Aber morgen müssen wir weiter – oder zurückschlagen. Deine Entscheidung, Partnerin.
Er streckt mir die Hand entgegen.
Ich atme tief ein. Der Geruch von Kordit, Leder und Angst klebt an mir.
Ich nehme seine Hand.
Dann lass uns erstmal Kaffee kochen.
Und dann reden wir über den Rest.
Das Safe house ist eine schmale Wohnung über einer verlassenen Bäckerei.
Hi Tapeten blättern von den Wänden, aber die Fenster sind mit schweren Rollos gesichert. Tony kniet am Tisch, breitet
eine Stadtkarte aus, markiert Kreise
mit einem Bleistift.
Die Russen haben drei Haupt stützpunkte: das Casino an der
Hafenstraße
Eine Lagerhalle im Industriegebiet
Ein Haus am See.
Er sieht auf,Sal schickt mir seine
Leute.
Morgen früh schlagen wir zu.
Ich stelle zwei Tassen Kaffee
auf den Tisch.
Meine Finger zittern noch, aber ich
zwinge sie zur Ruhe.
Das Casino da war ich mal mit einer Freundin.
Der Barkeeper heißt Viktor, ein dicker
Kerl, der alle Klatschgeschichten hört.
Er hasst seinen Boss – einen Russen namens Dimitri, der ihn immer
demütigt.
Tony hält inne. Du kennst die Szene?
Ich zucke mit den Schultern.
Ich höre zu.
Das ist mein Job.
Viktor hat mir mal erzählt,
dass Dimitri jeden Freitag um
Mitternacht persönlich die Kasse prüft.
Ohne Begleitung.
Nur mit seinem Fahrer vor der Tür.
Tonys Augen werden schmal.
Das ist ein Fenster von vielleicht zehn Minuten.
Wenn wir das Casino nehmen,
brechen wir ihre Versorgungskette.
Aber der Plan ist riskant.
Ich schicke meine Männer nicht in eine Falle, nur weil eine Barkeeperin
Hören sagen liefert.
Ich stelle meine Kaffeetasse ab.
Dann geh ich rein.
Viktor vertraut mir.
Ich kann mich an die Bar setzen,
die Lage auschecken.
Wenn Dimitri kommt, geb ich dir
ein Zeichen.
Ich halte sein Handy hoch.
Ein Anruf mit dem Code 'Martini,
extra trocken'.
Dann weißt du, dass der Weg frei ist.
Er starrt mich an, die Kiefer mahlen.
Du willst als Köder in ein russisches Casino spazieren? Die haben dein
Gesicht vielleicht schon von der Bar.
Du bist nicht mehr unbekannt, seit du letzte Nacht einen ihrer Schützen niedergeschlagen hast.
„Ich bin Barkeeperin“, sage ich ruhig. Keine Gangsterbraut, erinnerst du dich? Barkeeperinnen sehen Gesichter,
aber sie bleiben unsichtbar.
Und Viktor wird mich decken.
Er schuldet mir einen Gefallen, seit ich seinen Bruder vor einem Rauswurf
bewahrt habe.
Eine lange Stille.
Tony drückt den
Bleistift in die Karte, bis die Spitze bricht.
Wenn dir etwas passiert –
Dann stirbst du mit schlechtem
Gewissen, unterbreche ich.
Also sorg lieber dafür, dass mir nichts passiert.
Sag deinen Leuten, sie sollen pünktlich sein.
Ich hab’ keine Lust, die Nachtschicht zu übernehmen.
Die Luft in der Bäckerei riecht
nach altem Mehl und Modder.
Tony mustert mich noch einen Moment, dann schiebt er mir einen Schlüssel über den Tisch.
Zum Hintereingang.
Viktor erwartet dich in einer Stunde.
Wenn du nicht rauskommst, breche
ich die Tür ein – mit dir oder ohne
dich.
Ich stecke den Schlüssel ein,
griene kurz. Dramatisch. Gefällt mir. Aber sorg dafür, dass der Kaffee heiß bleibt, wenn ich zurückkomme.
Ich zieh mir eine Lederjacke über,
die er mir gibt, und schlüpfe durch
die Hintertür in den Nieselregen.
Das Casino am Hafen glitzert wie ein krankes Tier.
Neonfarben spiegeln sich im nassen Pflaster.
Ich gehe nicht durch den Haupteingang – zu auffällig – sondern um das Gebäude herum, vorbei an Müllcontainern und
einem schlafenden Obdachlosen.
Die Küchentür steht offen.
Ein Koch in weißer Schürze winkt mich wortlos hinein.
Die Wärme schlägt mir entgegen.
Dampf, Fettgeräusche, das Klappern von Tellern.
Ich bewege mich durch den Gang, vorbei an Regalen voller Flaschen, bis ich die
Bar erreiche. Viktor steht da, wischt
ein Glas aus. Sein Gesicht hellt
sich auf, als er mich sieht.
Janine.
Du siehst besser aus als die letzte
Nacht, von der ich gehört hab’.
Er schiebt mir einen Drink hin –
Wodka, pur.
Auf dein Überleben. Was kann ich
für dich tun?
Ich nehme das Glas, setze es aber
nicht an. Dimitri. Kommt er heute?
Viktor wirft einen Blick zur Decke,
dann beugt er sich vor.
In zwanzig Minuten. Er ist früher dran
als sonst – er hat Stress mit den Geschäften. Sein Fahrer ist krank,
also kommt er allein. Nervös,
sagt man.
Er zwinkert. Wenn du was vorhast,
jetzt wäre die Gelegenheit.
Ich leere den Wodka in einem Zug. Der Schmerz in der Kehle ist gut, wachmachend. Danke, Viktor.
Du schuldest mir nichts mehr.
Ich schiebe ihm einen Geldschein
hin, der von Tony stammt.
Er lacht leise.
Behalt dein Geld. Ich will nur,
dass du am Leben bleibst.
Und dass dieser Bastard Dimitri verschwindet.
Der behandelt mich wie Dreck.
Er wischt weiter Gläser, als wäre
nichts.
Ich setze mich an die Bar, bestelle
einen Martini, extra trocken.
Meine Finger tippen auf dem Handy, während ich das Glas kippe.
Die Nachricht geht raus:
Martini, extra trocken.
Dann stecke ich das Handy weg.
Fünf Minuten. Zehn.
Die Tür zum Hinterraum öffnet sich.
Dimitri tritt ein – groß, blond, ein teurer Anzug, der trotzdem billig aussieht.
Seine Augen gleiten über den Raum, bleiben an mir hängen. Er runzelt die
Stirn.
Ich hebe mein Glas. Prost, Boss.
Sieht aus, als hättest du einen harten
Tag. Setz dich, der erste Drink geht
auf mich.
Er zögert. Seine Hand zuckt zur Hüfte. Aber Viktor stellt sich zwischen uns, ein Tablett in der Hand. Boss, die Dame ist Stammgast. Keine Sorge.
Dimitri entspannt sich einen Tick.
Er setzt sich zwei Barhocker neben
mich. Du kennst mich?
Man hört Sachen, sage ich und lächle.
In dieser Stadt weiß jeder,
wer das Sagen hat.
Ich wollte nur sehen, ob der Ruf
stimmt.
Mein Herz schlägt gegen die Rippen,
aber meine Stimme bleibt seidig.
Er grinst – ein breites, falsches Grinsen
Du hörst also Sachen.
Dimitri lehnt sich näher, sein
Atem riecht nach billigem
Pfefferminz und Wodka.
Und was hörst du genau, hübsche Frau?
Ich spiele mit meinem Martini-Glas,
lasse den Olivenstab kreisen.
Dass du der Mann bist, den man
kennen sollte.
Dass dein Wort in dieser Stadt Gewicht
hat.
Dass du bald ganz Noctura City in der Tasche hast.
Ich lächle, zuckersüß, während meine Finger unter der Theke das Handy umklammern.
Er bläht sich auf wie ein Pfau.
Das stimmt. Und wenn du klug
bist, hältst du dich an mich.
Der andere – dieser Tony – der ist Geschichte. Bald.
Er klopft auf die Theke,
Viktor springt herbei, schenkt
nach.
Mein Magen zieht sich zusammen. Geschichte? Klingt, als hättest du
große Pläne.
Dimitri beugt sich vor, seine Stimme
wird leiser.
Heute Nacht erledigen wir ihn.
Endgültig.
Ein sauberer Schuss von einem Turm am Hafen, und dann ist er weg.
Kein Mafia-Boss mehr, nur noch eine Leiche, die Fische füttern.
Er lacht, ein kurzes, bellendes
Geräusch.
Eis läuft mir den Rücken runter.
Der Hafen. Nicht hier, nicht das
Casino – ein Hinterhalt.
Ich zwinge mein Gesicht zur Ruhe.
Beeindruckend.
Du denkst wirklich in großen
Dimensionen.
Ich hebe mein Glas, als würde ich
ihn anstoßen wollen.
Da geht die Tür zum Kücheneingang
auf.
Tonys Leute – drei von ihnen,
unauffällig in dunklen Jacken – treten ein. Einer nickt mir zu.
Dimitris Hand zuckt zur seine Waffe.
Was –
Ich lasse mein Glas fallen.
Es fällt auf dem Marmor.
Jetzt! schreie ich und werfe mich
zur Seite, hinter die Theke.