Chapter 2
Eine neue Partnerschaft
Janine küsst den Mann, um ihn abzulenken, als ein Schuss fällt. Tony drückt Janine hinter die Theke, bevor er verschwindet. Sie versteckt sich im Hinterraum, während draußen Schüsse fallen. Janine wehrt einen Angreifer mit einem Feuerlöscher ab und nimmt seine Waffe. Tony und Rico holen sie ab, um mit ihnen zu fliehen. Janine entscheidet sich, mit Tony zu gehen und verlangt, als Partnerin behandelt zu werden. Sie fliehen in der Nacht.
Ich beuge mich vor, ganz nah. Der Bourbon in seinem Atem mischt sich mit etwas Wildem, Gefährlichem. Meine Lippen treffen seine, bevor er den Satz beenden kann.
Einen Herzschlag lang ist er erstarrt. Dann presst er seinen Mund auf meinen, hart fordernd. Seine Hand an meinem Arm lockert sich nicht, aber seine andere Hand fährt in meinen Nacken, zieht mich tiefer in den Kuss.
Ich spüre seinen Körper, die gespannte Muskulatur unter dem teuren Stoff. Er schmeckt nach Rauch und Risiko. Ich halte den Kuss, bis mir die Luft wegbleibt, dann löse ich mich langsam.
Seine Augen sind dunkel, verwirrt, wütend. „Was soll das?“, knurrt er. Aber seine Stimme ist einen halben Ton tiefer als vorher.
Ich lächle, langsam, provozierend. „Ablenkung. Hat funktioniert, oder?“
Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen – da zerschellt Glas hinter uns. Ein Schuss, nah, aus der Gasse neben der Bar. Tony reagiert sofort.
Der Schwung von Tonys Körper reißt mich mit. Ich pralle gegen die Kellerwand, als er mich hinter die Theke drückt. Ein zweiter Schuss, diesmal dumpfer – er hat das Holz der Bar getroffen. Splitter fliegen.
„Bleib hier. Kein Geräusch.“ Sein Befehl ist scharf wie Glas. Dann ist er weg, eine dunkle Silhouette, die durch die Küche nach hinten verschwindet.
Der Hinterraum ist eng. Kartons mit Likör und Sirup stapeln sich bis zur Decke.
Das einzige Licht kommt von einer Glühbirne über mir.
Meine Hände zittern, aber ich presse sie gegen die Hose, bis es aufhört.
Draußen Schreie,Gläser zerspringen. Dann Stille diese schreckliche, dichte Stille nach einem Schuss.
Ich zähle die Sekunden, Fünf,Zehn, nichts. Mein Atem kratzt im Hals. Soll ich hierbleiben, wie Tony sagte? Oder nachsehen, ob er getroffen wurde?
Die Tür zum Hinterraum ist nur angelehnt. Ein schmaler Spalt gibt den Blick frei auf den Flur. Keine Bewegung.
Ich höre Schritte,langsam, absichtlich. Nicht Tonys Gang – der ist schnell, entschlossen. Das hier ist jemand, der sucht.
Die Schritte kommen näher. Bleiben vor der Tür stehen. Der Schatten einer Schulter fällt durch den Spalt.
Ich halte die Luft an. Meine Finger suchen blind nach etwas, einer Waffe, einem Flaschenhals – irgendwas.
Meine Finger tasten blind über die Regalbretter. Flaschen, Dosen, Sirupbeutel – nichts Brauchbares.
Der Schatten an der Tür bewegt sich.
Ein leises Knarren der Dielen.
Weiter hinten, neben einem Stapel Bierkästen, sehe ich den Umriss eines Feuerlöschers. Schwer,Metall,gut genug.
Ich rolle mich lautlos zur Seite,
greife zu.
Meine Hand schließt sich um den kalten Stahl.
Die Tür wird aufgestoßen. Eine Gestalt
tritt ein – breit, dunkel gekleidet, eine Pistole im Anschlag.
Ich springe auf, schwinge den
Feuerlöscher mit ganzer Kraft gegen
seinen Arm.
Der Schuss geht los, das Metall kracht gegen den Putz über mir. Gips staubt herab.
Der Mann taumelt, die Waffe fällt klappernd zu Boden. Er brüllt auf, will mich packen – aber ich trete ihm gegen das Knie, lasse den Feuerlöscher los und schnappe mir die Pistole.
Meine Finger kennen das Gewicht nicht, aber ich richte sie auf ihn. „Beweg dich, und ich drück ab.
Er starrt mich an, Blut tropft von seiner Hand.
Draußen höre ich Schritte – mehrere
Paare, schwer, zielstrebig.
Tonys Stimme schneidet durch den
Lärm: „Janine!“
Die Tür fliegt ganz auf.
Tony steht da, das Hemd
aufgeknöpft, eine Schusswaffe in der Faust. Sein Blick fliegt von mir
zu dem Mann am Boden, dann
wieder zu mir.
Seine Augen weiten sich kurz –
dann wird sein Mund hart. „Du
kannst schießen?“
„Ich kann lernen“, sage ich, und meine Stimme zittert kein bisschen.
Er zieht mich aus dem Raum, die Pistole nehme ich mit. Der Flur ist voller
Scherben, ein Gast liegt zusammengekrümmt an der Wand.
Rico winkt uns zur Hintertür.
„Das war nur einer“, keucht Rico. „Die Russen schicken mehr. Wir müssen weg – jetzt.“
Tony dreht sich zu mir.
Seine Hand liegt schwer auf meiner Schulter.
Komm mit. Oder bleib hier und tust so, als wär nichts gewesen. Aber wenn du mitkommst, gibt es kein Zurück mehr.
Ich starre in seine schwarzen Augen.
Die Pistole in meiner Hand ist noch warm. Hinter mir stöhnt der Mann am Boden. Ricos Schritte hallen im Flur.
„Es gibt kein Zurück mehr?“,
wiederhole ich leise. Dann lasse ich die Waffe sinken – aber nicht fallen.
Gut. Ich hab’ hier sowieso keine
Zukunft mehr, seit du die Bar
betreten hast.“
Ich trete nah an ihn heran, lege meine
freie Hand auf seine Brust. Sein Herz schlägt schnell unter dem Hemd.
Also, Boss zeig mir, wie deine Welt aussieht. Aber eins sag ich dir:
Ich schmeiß’ die Scheiße nicht weg.
Ich bin Barkeeperin, keine Gangster
braut. Und wenn ich mitkomm.
Dann als Partnerin – nicht als Anhängsel.
Ein Lächeln zuckt um seinen Mund – echt diesmal, kein Raubtiergrinsen.
Er greift meine Hand, die noch auf
seiner Brust liegt, und drückt sie
kurz. Partnerin. Abgemacht.
Er zieht mich zur Hintertür.
Rico wirft uns einen Mantel zu.
Die Nacht schlägt uns kalt ins Gesicht, als wir in die Gasse treten.
Hinter uns brechen Stimmen los, Türen werden aufgerissen. Tonys Wagen steht
am Ende der Gasse, Motor läuft.
Ein Mann im Fahrerhaus nickt.
Wir rennen.
Seine Finger verschränken sich mit meinen.
Die Kugeln pfeifen, als die Tür
zuschlägt.