Chapter 1
Konfrontation in der Bar
Janine stellt sich Tony, dem neuen Stammgast, mutig entgegen und serviert ihm einen Bourbon. Sie fordert ihn auf, sich an die Regeln zu halten. Rico warnt Janine vor einem russischen Attentat auf Tony. Janine muss entscheiden, ob sie Tony warnt. Janine bittet Sal um Rat bezüglich eines russischen Attentats auf Tony. Sal verspricht, sich darum zu kümmern. Tony konfrontiert Janine wegen ihres Gesprächs mit Sal und packt sie am Arm.
Der Samstagabend in „Rizzos“ läuft wie geschmiert. Die Jazz-Musik ist nur ein sanftes Flüstern im Hintergrund, das Klirren der Gläser und das leise Gemurmel der Gäste bilden die Melodie der Nacht. Ich wische die Theke ab und genieße das Gefühl von Kontrolle, das ich hier habe.
Dann ändert sich die Luft. Die Tür schwingt auf, und ein eisiger Windhauch weht herein, begleitet von einem leisen, bedrohlichen Summen. Die Gespräche verstummen für einen Herzschlag. Alle Blicke sind auf den Mann gerichtet, der hereinkommt: Tony. Er ist nicht groß, aber seine Präsenz füllt den Raum. Sein maßgeschneiderter Anzug ist dunkler als die Nacht, und seine Augen, zwei schwarze Obsidiansteine, gleiten über die Menge. Die Leute starren auf ihre Drinks, tun so, als hätten sie ihn nicht gesehen.
Er geht direkt zur Bar. Die zwei anderen Barkeeper werden blass, einer stößt fast ein Glas um. Ich bleibe ruhig. Er setzt sich auf den Barhocker direkt vor mich, und der Duft von teurem Leder und einem Hauch von Zigarrenrauch umhüllt mich.
„Einen Bourbon. Auf Eis. Kein Wasser.“ Seine Stimme ist tief, rau, als würde sie direkt aus einer Kiste mit Dynamit kommen.
Ich halte seinem Blick stand. „Hübscher Anzug. Aber der Bourbon, den ich dir serviere, ist ein Single Barrel. Der wird nicht mit Eis verwässert. Wenn du ihn pur willst, bekommst du ihn. Wenn nicht, kann ich dir einen anderen empfehlen.“ Ich hebe eine Augenbraue.
Einen Moment lang ist es still. Ich sehe seine Fingerspitze leicht auf der Theke trommeln. Dann, ein Zucken in seinem Mundwinkel – es ist kein Lächeln, aber die Andeutung davon. „Pur also. Gut. Du hast Stil. Wie heißt du?“
„Janine“, antworte ich, während ich die Flasche nehme und das Glas exakt bis zur Hälfte fülle. „Und du bist der neue Stammgast, der alle anderen Gäste erschreckt. Das ist schlecht fürs Geschäft. Also, wenn du hier bleiben willst: Spiel schön mit den anderen.“ Ich schiebe das Glas zu ihm.
Seine Hand umschließt das Glas. Seine Finger sind lang, die Nägel sauber geschnitten, aber ich sehe die feinen Narben auf den Knöcheln. „Du hast keine Angst vor mir, Janine?“
Ich lehne mich mit den Ellbogen auf die Theke, so dass mein Gesicht näher an seinem ist. „Sollte ich? Bist du hier, um einen Drink zu bestellen oder um Ärger zu machen? Wenn du Ärger willst, geh nach draußen. Wenn du einen guten Drink willst, bleib hier. Die Wahl ist einfach.“ Mein Herz schlägt schneller, aber ich zeige es nicht.
Er nippt an dem Bourbon. Seine Augen verlassen mich nicht. „Der Drink ist gut. Der Service ist ... interessant. Ich bleibe.“ Er lehnt sich zurück.
Ich spüre die Blicke der anderen Gäste im Rücken. Die ganze Bar hat aufgehört zu atmen. Ich lächle ihn an, ein echtes, unverschämtes Lächeln. „Gut. Dann halt dein Handy leise. Ich mag keine Klingeltöne, wenn ich arbeite.“ Ich dre
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Die Nacht zieht sich hin wie Kaugummi. Der Bourbon steht noch halbvoll vor Tony, als eine vertraute Stimme hinter mir flüstert: „Janine, hast du ‘ne Sekunde?“ Es ist Rico, der Türsteher. Sein Gesicht ist grau, die Augen rot geädert. Er zieht mich in die kleine Nische neben der Theke.
„Was ist los? Du siehst aus, als hättest du ‘nen Geist gesehen.“ Ich verschränke die Arme.
Rico senkt die Stimme. „Ich hab’ was gehört. Heute Nacht. Ein Scharfschütze, angeheuert von den Russen. Sie wissen, dass Tony hier Stammgast ist. Der Anschlag soll kommen – vielleicht in der nächsten Stunde, vielleicht morgen. Ich weiß nicht, wann, aber es ist echt.“ Er wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Mein Magen zieht sich zusammen. Die Russen. Ich hab’ die Geschichten gehört, die sich die Gäste erzählen, wenn sie denken, ich höre nicht zu. Aber jetzt ist es real. Tony sitzt keine drei Meter entfernt, nippt an seinem Drink, als hätte er keine Feinde auf der Welt.
Ich starre auf den Boden, atme tief durch. „Warum erzählst du mir das? Warum nicht ihm?“
Rico schüttelt den Kopf. „Weil du die Einzige bist, die er reinlässt. Wenn ich ihm das sage, bin ich tot – entweder durch ihn, weil ich Spione spiele, oder durch die Kugel, die für ihn bestimmt ist. Du musst entscheiden, Janine. Sag es ihm, oder lass es. Aber wenn du schweigst, und es passiert…“ Er lässt den Satz in der Luft hängen.
Ich drehe mich um und sehe Tony am Tresen. Er hat den Kopf gehoben, beobachtet mich durch die halbdunkle Bar. Seine Augen sind ruhig, aber wachsam. Er hat gesehen, dass Rico mit mir geredet hat. Jetzt wartet er.
Die Luft in der Bar ist dick wie Sirup. Die anderen Gäste sind nur noch Schatten. Meine Finger krallen sich um den Rand meiner Schürze. Ich muss handeln. Aber wen warne ich zuerst? Tony selbst, direkt ins Gesicht? Oder such ich mir einen Verbündeten unter seinen Leuten? Vielleicht den alten Mann, der immer am Ende der Bar sitzt und angeblich sein rechte Hand ist? Oder schweige ich einfach und hoffe, dass Rico sich irrt?
Die Sekunden ticken. Tony hebt sein Glas, ein stummer Toast auf mich. Sein Lächeln ist scharf wie eine Rasierklinge.
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Ich atme einmal tief durch, dann schiebe ich mich an Rico vorbei zurück zur Bar. Meine Beine fühlen sich schwer an, aber ich zwinge mich zu einem ruhigen Gang. Ich ignoriere Tony für den Moment und gehe stattdessen zum Ende der Theke, wo der alte Mann sitzt.
Er heißt Sal, das weiß ich von den Stammgästen. Grauer Anzug, silbernes Haar, Hände, die zittern, wenn er sein Glas hebt – aber seine Augen sind messerscharf. Er sieht mich kommen, noch bevor ich vor ihm stehe.
„Sal“, sage ich leise und beuge mich zu ihm. „Ich brauche einen Rat. Es geht um einen Sturm, der heute Nacht aufziehen soll.“
Er stellt sein Glas ab, ganz langsam. „Ein Sturm, sagst du? Aus welcher Richtung?“
„Osten“, flüstere ich. „Die Russen sollen einen Schützen geschickt haben. Auf ihn.“ Ich nicke kaum merklich in Tonys Richtung.
Sals Gesicht bleibt unbewegt, aber seine Finger trommeln einen kurzen Rhythmus auf die Theke. „Und warum erzählst du mir das, Kleine?“
„Weil du der Einzige hier bist, der weiß, wie man einen Schirm aufspannt, bevor es regnet“, antworte ich. „Und weil ich nicht will, dass hier jemand verletzt wird. Nicht er, nicht du, nicht irgendein Gast, der nur sein Bier trinken will.“
Sal mustert mich lange. Dann nickt er, einmal, fast unmerklich. „Du hast mehr Mumm als die meisten seiner Männer. Geh zurück an deine Arbeit. Ich kümmere mich um den Wind.“
Ich richte mich auf, mein Herz hämmert. Als ich mich umdrehe, steht Tony plötzlich direkt hinter mir.
Tony packt meinen Oberarm, seine Finger graben sich durch den Stoff meiner Bluse. Er zerrt mich ohne ein Wort in die dunkle Ecke neben dem Weinkeller. Der Lärm der Bar wird zu einem dumpfen Rauschen.
„Was hast du mit Sal beredet?“ Seine Stimme ist leise, aber jedes Wort sitzt wie ein Messer zwischen den Rippen. Sein Gesicht ist nah, ich rieche den Bourbon