Chapter 6
Zeit in den Fugen
Lotte und Emil kehren heimlich in die Bibliothek zurück, obwohl Wien vom Krieg überschattet bleibt. Dort finden sie die Lösung des Rätsels um die Botschaften und erkennen, dass ihre Freundschaft und Kreativität ihnen etwas Bleibendes geschenkt haben. Sie teilen einen letzten besonderen Moment und entdecken, wie ihre Wünsche Spuren hinterlassen – ein offenes, hoffnungsvolles Ende.
Der Vormittag war kühl und feucht. Eine Schicht Nebel lag zwischen den Straßen Wiens und löschte die Farben aus. Nur das Veilchen im Skizzenblock leuchtete noch, als Lotte vor Emils Haustür stand und klopfte. Ihr Herz pochte schneller als sonst. Sie hatte schlecht geschlafen, immer wieder träumte sie von Gängen, die sich zu Labyrinthen schlängelten, von Worten, die sich am Rand der Seiten versteckten. Als die Tür aufschwang, stand Emil da, mit blassem Gesicht und zerzaustem Haar, die Augen groß vor Erleichterung.
„Du bist gekommen“, flüsterte er, als hätte er nicht daran geglaubt.
Lotte nickte. „Natürlich bin ich gekommen. Wir haben doch noch einen letzten Zettel.“
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