Chapter 1
Kapitel 1: Der Glanz der Kindheit
Die Erzählerin erinnert sich an ihre frühen Jahre, geprägt vom ungewöhnlichen goldenen Blut, das sie von Geburt an besitzt. Sie beschreibt, wie dieser Umstand ihr Leben von Anfang an bestimmte, ohne dass sie dessen Bedeutung vollständig verstand.
Von dem Tag an, als ich das Licht der Welt erblickte, war mein Blut golden. Nicht wie Honig oder Sonnenlicht, sondern wie flüssiges Metall – kühl und schwer, wenn es die Haut berührte. Die Ärzte flüsterten, die Schwestern starrten, und meine Eltern wussten nicht, was sie denken sollten. Es heilte jeden Schnitt, jede Schramme, als wäre der Körper darauf programmiert, sich selbst zu reparieren. Doch niemand erklärte mir, warum das so war. Es war einfach da, ein Teil von mir, den ich nicht hinterfragen konnte, so wie man nicht hinterfragt, warum die Augen braun sind oder die Stimme einen bestimmten Klang hat.
In den ersten Jahren war es nur eine Kuriosität. Ein seltsames Detail, das meine Mutter mit einem Lächeln erwähnte, wenn jemand nach der Narbe fragte, die längst verschwunden war. „Sie heilt schnell“, sagte sie dann, als wäre es das Natürlichste der Welt. Vielleicht war es das für sie. Für mich war es Normalität – bis ich alt genug war, um zu begreifen, dass andere Kinder nicht so waren. Dass ihr Blut rot war und blieb, egal wie oft sie sich die Knie aufschürften. Dass sie bluteten, wenn sie sich schnitten, und dass es wehtat.
Ich erinnere mich nicht an den Moment, in dem ich verstand, dass mein Blut anders war. Es war eher ein langsames Begreifen, wie das Erwachen aus einem Traum, in dem man plötzlich merkt, dass man träumt. Irgendwann fragte ich meine Mutter, warum mein Blut golden schimmerte, wenn es aus einer Wunde trat. Sie strich mir über den Kopf und sagte: „Weil du etwas Besonderes bist.“ Das war keine Antwort, aber es war die einzige, die ich bekam. Und so gewöhnte ich mich daran, dass mein Körper Dinge tat, die andere nicht verstanden.