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Chapter 3

Der erste Hinweis im Verlies

Hinter der Geheimtür finden die Geschwister einen dunklen Gang, der in ein altes Verlies führt. Dort entdecken sie eine vergilbte Schriftrolle mit rätselhaften Versen und Symbolen, die auf einen verborgenen Schatz oder ein altes Geheimnis hindeuten.

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Die Luft im Geheimgang war kühl und feucht, und ein Hauch von Staub kitzelte in Alexanders Nase. Mit der Taschenlampe in der Hand führte er seine Geschwister tiefer in die Dunkelheit. Hinter ihnen schloss sich die Geheimtür mit einem leisen Klicken, und für einen Moment waren sie ganz allein, umgeben von der Stille der alten Burg.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist, Alexander“, flüsterte Erster, seine Stimme zitterte leicht. Er klammerte sich an Mariannes Hand, die ihn beruhigend anlächelte.

„Keine Sorge, Erster. Wir passen aufeinander auf“, sagte Mariane sanft. „Und Alexander ist doch da, der findet bestimmt einen Ausweg, wenn wir uns verlaufen.“

Alexander nickte zustimmend, doch seine Augen suchten bereits die Wände des engen Ganges ab. Sie waren aus grob behauenem Stein, feucht und moosbewachsen. Tropfen fielen von der Decke und erzeugten leise Plätschergeräusche, die in der Stille unheimlich laut klangen.

Hansgeorg ging voraus, seine Schritte hallten laut auf dem steinernen Boden. „Das hier ist ja aufregender als jeder Schatz, den wir uns vorstellen können!“, rief er begeistert, seine Stimme voller Vorfreude.

Petra, ganz hinten, tippelte leise hinterher. Ihre Augen wanderten über jedes Detail, jede Unebenheit im Stein, jedes Spinnennetz, das im Licht der Taschenlampe schimmerte. Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug, aber nicht aus Angst, sondern aus purer Neugier.

Der Gang mündete schließlich in einen größeren Raum, der sich als ein altes Verlies herausstellte. Die Decke war niedrig, und in den Ecken stapelten sich verrottete Holzmöbel und zerbrochene Tonkrüge. Ein schwaches Licht fiel durch ein winziges, vergittertes Fenster hoch oben an der Wand.

„Igitt, hier riecht es modrig“, bemerkte Hansgeorg und schnupperte angewidert.

Alexander ließ den Lichtkegel seiner Taschenlampe über den Raum gleiten. „Sieht so aus, als wäre das hier seit Jahrhunderten nicht mehr benutzt worden.“

Plötzlich blieb Petra stehen. „Schaut mal!“, rief sie und zeigte auf eine kleine Nische in der Wand, die im Schatten verborgen lag.

Die anderen versammelten sich um sie. In der Nische lag etwas, das wie eine alte, vergilbte Schriftrolle aussah. Vorsichtig griff Alexander danach. Das Papier war brüchig und fühlte sich rau an. Mit zitternden Fingern rollte er es langsam auf.

Darauf waren handgeschriebene Verse und seltsame Symbole zu sehen. Die Tinte war verblasst, aber noch lesbar.

„Was ist das?“, fragte Mariane und beugte sich neugierig über die Schriftrolle.

Alexander las die ersten Zeilen laut vor:

„Wo Finsternis und Schatten wohnen,

und alte Mauern Lieder lohnen,

ein Zeichen tief im Stein versteckt,

das nur dem weisen Herzen weckt.

Ein Pfad, der einst den Reichen diente,

birgt nun ein Rätsel, das uns Sitte

und Weisheit lehrt, wenn man’s versteht,

bevor der letzte Tag vergeht.“

Ein Raunen ging durch die Geschwister.

„Das klingt nach einem Rätsel!“, rief Hansgeorg aufgeregt. „Das muss uns zu etwas führen! Zu einem Schatz!“

„Oder zu einem Geheimnis, wie es in der Beschreibung stand“, ergänzte Alexander nachdenklich. Seine Augen wanderten über die Symbole unter dem Vers. Sie sahen aus wie kleine Zeichnungen von Sternen, einem Schlüssel und einer Art Kompass.

Mariane zog ein kleines Notizbuch und einen Bleistift aus ihrer Tasche. „Ich schreibe das mal ab, damit wir es uns später in Ruhe ansehen können. Alexander, kannst du die Symbole vielleicht auch aufzeichnen?“

Alexander nickte. Während Mariane sorgfältig die Verse in ihr Buch schrieb, zeichnete Alexander die Symbole auf eine freie Seite. Petra, die immer ein gutes Auge für Details hatte, zeigte auf eines der Symbole.

„Dieses hier“, sagte sie leise, „das sieht aus wie das Zeichen, das ich gestern in dem alten Buch auf dem Dachboden gesehen habe. Ich wusste nicht, was es bedeutet.“

Mariane blickte auf. „Wirklich? Auf dem Dachboden? Welche Seite war das denn?“

Petra überlegte kurz. „Ich glaube, es war in dem Buch über die Geschichte der Burg. Da war ein Kapitel über die alten Burgherrinnen.“

„Das muss ich mir unbedingt noch einmal ansehen“, murmelte Mariane und machte sich eine Notiz.

Hansgeorg war inzwischen damit beschäftigt, die Wände des Verlieses abzutasten. „Vielleicht gibt es hier noch eine weitere Geheimtür! Oder eine versteckte Truhe!“

„Sei vorsichtig, Hansgeorg“, ermahnte ihn Alexander. „Wir wissen nicht, was hier alles ist. Dieser Ort ist alt und könnte gefährlich sein.“

Erster, der die ganze Zeit schweigend daneben gestanden hatte, zupfte an Alexanders Ärmel. „Mir ist irgendwie kalt, Alexander. Und ich habe das Gefühl, als würde uns jemand beobachten.“

Alexander legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Das ist nur die Vorstellung, Erster. Hier sind wir sicher. Und wir sind zusammen. Wenn dir etwas komisch vorkommt, sag es uns sofort, ja?“

Erster nickte, aber seine Augen blickten weiterhin unsicher in die dunklen Ecken des Verlieses.

Alexander wandte sich wieder der Schriftrolle zu. „Wir müssen diese Verse und Symbole deuten. Das ist der Schlüssel.“ Er zeigte auf die Symbole. „Stern, Schlüssel, Kompass. Was könnte das bedeuten?“

„Vielleicht steht der Stern für die Nacht? Oder für einen bestimmten Ort, der im Sternenhimmel sichtbar ist?“, überlegte Mariane.

„Und der Schlüssel?“, fragte Hansgeorg. „Ein Schlüssel zu einer Tür? Oder zu einem Schatz?“

„Oder ein Schlüssel zum Verständnis“, sagte Alexander leise. „Manchmal ist das Wissen der größte Schatz.“

Petra tippelte aufgeregt mit dem Fuß. „Und der Kompass? Vielleicht müssen wir uns nach einer bestimmten Richtung orientieren?“

Sie saßen eine Weile schweigend da und blickten auf die Schriftrolle. Die Stille wurde nur vom Tropfen des Wassers und dem leisen Atem der Kinder unterbrochen.

„Wir sollten uns die Verse genau ansehen“, schlug Mariane vor. „Vielleicht gibt es darin weitere Hinweise. Zum Beispiel: ‘Wo Finsternis und Schatten wohnen.’ Das passt ja perfekt zu diesem Verlies.“

„Und ‘alte Mauern Lieder lohnen’“, fuhr Alexander fort. „Das könnte bedeuten, dass wir auf die Architektur achten müssen. Vielleicht gibt es hier eine Wand, die anders klingt als die anderen.“

Hansgeorg sprang auf. „Ich werde mal dagegen klopfen!“

„Nein, warte!“, rief Alexander. „Erst einmal müssen wir das Rätsel als Ganzes verstehen. Wir können nicht einfach blindlings herumprobieren.“

„Aber wir müssen doch etwas tun!“, erwiderte Hansgeorg ungeduldig. „Wir können nicht den ganzen Tag hier sitzen und raten.“

„Wir können uns aufteilen“, schlug Mariane vor. „Alexander und ich konzentrieren uns auf die Verse und Symbole. Petra, du achtest auf besondere Details in der Umgebung, vielleicht entdeckst du etwas, das uns entgeht. Und Hansgeorg, du kannst vorsichtig die Wände und den Boden absuchen, aber bitte nicht zu ungestüm. Erster, du bleibst bei mir und hilfst mir, nichts zu übersehen.“

So verteilten sie ihre Aufgaben. Alexander und Mariane saßen dicht beisammen und studierten die Schriftrolle, während Petra langsam durch das Verlies streifte und mit ihrer Taschenlampe jeden Winkel beleuchtete. Hansgeorg klopfte vorsichtig gegen die Wände und suchte nach lockeren Steinen. Erster hielt sich dicht an Mariane, seine Augen groß und wachsam.

Plötzlich rief Petra: „Hier! Schaut mal!“

Sie stand vor einer Wand, die mit einer dünnen Schicht Staub bedeckt war. Doch in der Mitte der Wand, gerade über dem Boden, war ein kleines, kreisrundes Loch, das wie ein ausgespartes Auge wirkte.

Alexander ging hin und leuchtete hinein. „Das ist seltsam. Es sieht aus, als würde es in einen anderen Gang führen.“

Hansgeorg war sofort zur Stelle. „Lass mich mal sehen!“ Er drückte sein Auge an das Loch und versuchte, hindurchzublicken. „Ich sehe nichts. Es ist zu dunkel.“

Alexander nahm die Schriftrolle wieder zur Hand. „‘Ein Zeichen tief im Stein versteckt, das nur dem weisen Herzen weckt.’ Dieses Loch könnte das Zeichen sein.“

„Aber wie kommen wir da rein?“, fragte Mariane. „Das Loch ist viel zu klein für uns.“

Sie blickten sich ratlos an. Das Rätsel war noch nicht gelöst, und die nächste Spur schien unerreichbar. Die Spannung im Verlies stieg. Sie hatten den ersten Hinweis gefunden, aber der Weg zum Geheimnis war noch weit und voller Ungewissheiten. Die Dunkelheit schien sich um sie herum zu verdichten, und ein leises Kribbeln lief ihnen über die Haut. War Ersters Gefühl richtig? Waren sie wirklich allein hier unten?

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