Chapter 6
Neue Klienten, neue Hoffnungen
Die neuen Bekanntschaften bringen frischen Wind. Eleonore erkennt, dass sie nicht die Einzige mit dem Wunsch nach Partnerschaft ist. Anton wird zunehmend zum Vertrauten.
Der Regen hatte aufgehört zu trommeln, und nun fiel er in sanften, perlenartigen Tropfen auf die frisch gewaschenen Fenster des prächtigen Anwesens Hohenstein. Drinnen, in Eleonores Salon, der nun zum improvisierten Büro der Ehevermittlung umfunktioniert worden war, herrschte eine Mischung aus aufgeregter Geschäftigkeit und nachdenklicher Stille. Die Luft war erfüllt vom Duft frisch gebrühten Tees und dem leisen Rascheln von Papier. Eleonore, die einst so stolz und unbeschwert durch ihre Hallen schritt, saß nun mit gerunzelter Stirn über einem Stapel Klientenakten. Die anfängliche Euphorie über den unerwarteten Erfolg ihrer waghalsigen Geschäftsidee war einer leisen Sorge gewichen, einer Ahnung, dass die Realität des Heiratsmarktes komplexer war, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen vorgestellt hatte.
„Ich verstehe es einfach nicht, Natalie“, seufzte sie und fuhr sich mit einer Hand durch ihr sorgfältig frisiertes, aber nun leicht zerzaustes Haar. „Wir haben doch alles richtig gemacht. Die Damen sind zufrieden, die Herren… nun ja, die Herren sind nun mal Herren. Aber diese letzte Vermittlung… sie zerbricht mir das Herz.“
Natalie, die ihre Zofe und nunmehr geschäftstüchtige Partnerin, wischte mit einem feuchten Tuch über den mahagonifarbenen Schreibtisch, ihre Bewegungen waren ruhig und geübt, ein stetiger Anker in Eleonores oft stürmischer See. „Herr von Bülow war… nun, sagen wir, er hatte seine eigenen Vorstellungen von einer idealen Gattin. Man kann nicht jeden glücklich machen. Das ist kein Märchen, sondern ein Geschäft.“
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