Chapter 1
Sternenstaub und ein unerwarteter Einschlag
Seraphina Coast navigiert durch die Weiten des Alls. Plötzlich wird ihr Schiff von einem unbekannten Angreifer getroffen. Sie muss fliehen, bevor ihr Schiff vollständig zerstört wird.
Der Sternenstaub tanzte in den Scheinwerfern meines kleinen Frachters, ein schimmernder Vorhang aus Diamantenstaub, der die unendliche Schwärze des Alls durchbrach. Ich, Seraphina Coast, navigierte mit routinierter Hand durch diese kosmischen Tanzflächen, die Route war mir so vertraut wie die Linien meiner eigenen Handflächen. Die „Sternenwanderer“, mein treues Schiff, schnurrte leise unter mir, ein beruhigendes Brummen, das die Einsamkeit der Reise milderte. Seit Jahren trieb ich nun schon durch diese Weiten, mal auf der Suche nach seltenen Erzen, mal nach vergessenen Artefakten, immer auf der Flucht vor einer Vergangenheit, die ich lieber im Dunkeln lassen wollte.
Ein plötzlicher, heftiger Ruck ließ mich zusammenzucken. Die Lichter flackerten, das vertraute Schnurren wandelte sich in ein wütendes Knurren. Warnleuchten schrien auf wie verwundete Vögel. „Was zum…“ stieß ich hervor, meine Finger flogen über die Konsole, versuchten, die Ursache des plötzlichen Chaos zu ergründen. Die Anzeigen waren eindeutig: Ein schwerer Treffer, direkt in die Steuerbordseite. Ein unbekanntes Schiff. Und es war nicht freundlich gesinnt.
Ein zweiter Einschlag, diesmal heftiger, ließ die ganze Kabine erzittern. Metall ächzte unter der brutalen Kraft. Panik begann, sich wie eiskaltes Wasser in meinen Adern auszubreiten. Mein Schiff, mein Zuhause, mein einziges Refugium, wurde zerfetzt. Ich musste hier raus. Aber wohin? Die Scans zeigten nichts außer dem leeren Raum und dem Angreifer, der nun bedrohlich nahe schwebte, seine dunkle Silhouette wie ein Raubtier, das seine Beute umkreist.
„Systeme fallen aus!“, kreischte die Computerstimme, verzerrt von dem Schaden. „Energieverlust kritisch!“ Meine Augen huschten über die Anzeigen. Die Lebenserhaltung funktionierte noch, aber nicht mehr lange. Ich hatte nur wenige Minuten, vielleicht noch zehn, bevor die „Sternenwanderer“ endgültig kollabierte.
Ich riss die Kommunikationskonsole auf. „Notsignal! Sende Notsignal! Maximale Reichweite!“ Meine Stimme zitterte, aber die Dringlichkeit ließ keinen Platz für Selbstmitleid. Ein schwaches blaues Licht pulsierte auf dem Bildschirm, ein winziger Hoffnungsschimmer in der erdrückenden Dunkelheit. Ich wusste nicht, wer es empfangen würde, oder ob überhaupt jemand es empfangen würde. Aber es war meine einzige Chance.
Ein drittes Mal schlug etwas ein, diesmal so heftig, dass ich gegen die Konsole geschleudert wurde. Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllte die Kabine, als sich die Struktur des Schiffes unter der Gewalt des Angriffs ergab. Ich spürte, wie sich die Schwerkraft veränderte, wie Teile des Schiffes, die ich mein ganzes Leben lang gekannt hatte, mit einem widerlichen Geräusch abrissen. Ich musste weg. Sofort.
Mit letzter Kraft zwang ich mich auf die Beine. Die Fluchtkapsel. Sie war meine letzte Hoffnung. Ich stolperte durch die Gänge, vorbei an zuckenden Kabeln und Funken sprühenden Konsolen. Die Luft war erfüllt vom Geruch von verbranntem Metall und Ozon. Jeder Schritt war ein Kampf gegen die sich verändernde Schwerkraft und die aufkommende Übelkeit.
Ich erreichte die Kapsel, meine Hände zitterten, als ich die Verriegelungsmechanismen aktivierte. Nur noch wenige Sekunden. Ich schob mich hinein, zog den Helm über meinen Kopf und schloss die Luke. Ein letzter Blick zurück in die sterbende Kabine. Die Lichter erloschen, die Dunkelheit verschlang alles. Dann drückte ich den Auslöser.
Mit einem Ruck wurde ich aus dem zerfallenden Wrack meiner „Sternenwanderer“ geschleudert. Ich sah, wie mein Schiff in tausend kleine Teile zerbarst, ein trauriger Abschied von meinem einstigen Leben. Der Angreifer schien desinteressiert zu sein, er drehte sich ab und verschwand so lautlos, wie er gekommen war, als hätte er nur ein lästiges Insekt zerquetscht.
Ich trieb in der Kapsel, die Dunkelheit um mich herum war absolut. Die Stille war ohrenbetäubend nach dem Lärm der Zerstörung. Ich war allein. Völlig allein. Ein einsamer Punkt in der unendlichen Leere. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Wer waren sie? Und warum hatten sie es auf mich abgesehen? Ich hatte keine Feinde, zumindest keine, von denen ich wusste.
Plötzlich blitzte ein schwaches Licht auf. Ein Schiff. Es kam näher. Mein Herz machte einen Sprung. War das Hilfe? Oder war es der Angreifer, der zurückkam? Die Linien des Schiffes waren kantig, robust, eindeutig militärisch. Es war groß, viel größer als mein kleiner Frachter es je gewesen war. Ein Denaida-janischer Militärfrachter. Das war gut. Die Denaida-janer waren bekannt für ihre Ehre und ihre Hilfsbereitschaft, auch wenn sie manchmal ein wenig… steif waren.
Das Schiff schwebte über mir, ein gewaltiger Schatten. Dann senkte sich ein Greifarm herab, sanft und doch voller Kraft. Er umschloss meine kleine Kapsel und zog mich an Bord. Ich spürte, wie die äußere Luke sich öffnete, und dann wurde ich in einen hell erleuchteten Raum gezogen.
Ich wurde von zwei Denaida-janischen Soldaten mit stoischen Gesichtern empfangen. Sie trugen schwere, dunkelgraue Uniformen, die ihre imposanten Körper noch breiter wirken ließen. Ihre Augen, tief in ihren Gesichtern versunken, musterten mich mit einer Mischung aus Neugier und professioneller Distanz.
„Seien Sie gegrüßt“, sagte einer von ihnen mit einer tiefen, resonanten Stimme, die kaum eine Emotion verriet. „Wir haben Ihr Notsignal empfangen. Sind Sie verletzt?“
Ich schüttelte den Kopf, meine Kehle war noch immer trocken. „Nein. Nur… geschockt.“
„Das ist verständlich“, erwiderte der andere Soldat. „Wir bringen Sie zu unserem Kapitän. Er wird entscheiden, was weiter geschieht.“
Sie führten mich durch endlose Korridore, die Wände waren aus glattem, dunklem Metall, beleuchtet von diffusen Lichtbändern. Alles wirkte funktional, sauber, unpersönlich. Die Luft roch nach Desinfektionsmittel und etwas anderem, etwas Metallischem, das ich nicht zuordnen konnte.
Schließlich erreichten wir die Brücke. Sie war riesig, dominiert von einer breiten Panoramafront, die einen atemberaubenden Blick auf den Sternenhimmel bot. In der Mitte stand ein Mann. Er war groß, mit breiten Schultern und einer Aura von Autorität, die ihn umgab wie ein unsichtbarer Umhang. Sein Haar war kurz geschnitten, von einem tiefen Schwarz, und seine Augen, von einem intensiven Blau, musterten mich aufmerksam, als ich eintrat. Er trug ebenfalls eine Militäruniform, die auf seinen Schultern und seiner Brust mit silbernen Bändern verziert war.
„Kapitän Kaelen“, sagte der Soldat, der mich geführt hatte. „Wir haben sie gefunden. Die Überlebende des Frachters.“
Kapitän Kaelen nickte langsam, seine Augen verließen mich nicht. „Willkommen an Bord, Miss…“
„Coast. Seraphina Coast“, ergänzte ich, meine Stimme klang nun etwas fester.
„Miss Coast“, fuhr er fort, seine Stimme war ruhig und doch kraftvoll. „Es tut mir leid, was Ihnen widerfahren ist. Mein Schiff, die „Stählerne Wacht“, ist Ihr Zufluchtsort. Sie sind hier in Sicherheit.“ Er machte eine Geste, die mich einlud, näher zu kommen. „Erzählen Sie mir, was passiert ist.“
Ich schluckte und begann meine Geschichte, die Zerstörung meines Schiffes, den Angriff. Während ich sprach, beobachtete ich seine Reaktion. Seine Augen blieben auf mir, aufmerksam, aber seine Miene verriet nichts. Als ich die Beschreibung des Angreifers gab – die dunkle Silhouette, die blitzschnelle Zerstörung – bemerkte ich ein leichtes Anspannen in seinen Kiefermuskeln. Etwas an meiner Geschichte schien ihn zu berühren.
„Ein unbekanntes Schiff“, murmelte er nachdenklich, als ich geendet hatte. „Sie haben keine Ahnung, wer es war?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Es war zu schnell, zu brutal. Es war, als ob sie es nur darauf abgesehen hätten, mich zu vernichten.“
Kaelen wandte sich an einen der Offiziere, der an einer Konsole stand. „Suche nach ungewöhnlichen Energiesignaturen in diesem Sektor. Alles, was von der Norm abweicht.“ Er wandte sich wieder mir zu. „Wir werden das klären, Miss Coast. Aber im Moment ist Ihre Sicherheit das Wichtigste. Sie werden in einer Kabine untergebracht. Wenn Sie etwas brauchen, zögern Sie nicht, es zu sagen.“
Ich wurde in eine kleine, aber komfortable Kabine gebracht. Sie war einfach, aber sauber und bot einen weiteren Blick auf die Sterne. Ich ließ mich auf das Bett fallen, meine Glieder waren schwer von der Anstrengung und der Erschöpfung. Ich schloss die Augen und versuchte, die Bilder der Zerstörung aus meinem Kopf zu verbannen.
Minuten später klopfte es an der Tür. Es war Kaelen. Er hielt eine kleine Metallschale in der Hand. „Ich dachte, Sie hätten vielleicht Hunger“, sagte er, seine Stimme war sanfter geworden. „Wir haben synthetische Nährpaste, aber es ist nahrhaft.“
Ich nahm die Schale dankbar entgegen. „Danke, Kapitän.“
Er trat einen Schritt in die Kabine, seine Augen wanderten kurz durch den Raum, bevor sie wieder auf mir ruhten. „Sie sagten, sie hätten es nur darauf abgesehen, Sie zu vernichten. Das deutet auf ein gezieltes Vorgehen hin. Haben Sie irgendwelche… wertvollen Besitztümer? Oder vielleicht Fähigkeiten, die jemand begehren könnte?“
Seine Frage traf mich wie ein Schlag. Ich hatte meine Gabe immer geheim gehalten, sie als etwas Gefährliches, etwas, das mich von anderen unterschied und isolierte, betrachtet. Die Fähigkeit, die Energie um mich herum zu spüren, sie zu manipulieren, sie zu lenken. Eine seltene Gabe, von der ich nicht einmal wusste, woher sie kam.
„Ich… ich habe keine besonderen Besitztümer“, log ich. Mein Herz pochte schneller. „Und Fähigkeiten… nun, ich bin eine gute Pilotin.“
Kaelen musterte mich einen Moment lang, seine blauen Augen schienen direkt in meine Seele zu blicken. Ich spürte seinen Blick auf mir wie eine physische Präsenz. „Ich glaube Ihnen, Miss Coast“, sagte er schließlich, aber ein winziges Lächeln spielte um seine Lippen. „Aber wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, zögern Sie nicht, es mit mir zu teilen. Wir sind hier, um Ihnen zu helfen.“ Er machte eine Pause. „Manchmal sind die Dinge, die wir am meisten verbergen, genau die, die uns am meisten definieren.“
Er verließ die Kabine und ließ mich mit seinen Worten und der metallischen Schale in meinen Händen zurück. Seine Worte hallten in mir nach. Er hatte etwas gespürt, das wusste ich. Aber ich war noch nicht bereit, ihm meine Wahrheit zu offenbaren. Nicht jetzt, wo ich gerade erst auf dieser neuen, unsicheren Reise war. Aber als ich aus dem Fenster auf die Sterne blickte, die nun wieder ruhig und unaufgeregt funkelten, spürte ich, dass sich etwas verändert hatte. Mein Leben, das so lange ein einsames Segeln im All gewesen war, hatte gerade eine unerwartete Wendung genommen. Und diese Wendung hatte einen Namen: Kaelen.