Chapter 4
Angst und Zweifel
Isadora fürchtet ihre Magie. Sie hält sie für einen Fluch. Die Dorfbewohner bemerken ihre seltsame Aura, aber niemand versteht sie. Sie fühlt sich isoliert und missverstanden.
Die Nacht legte sich wie ein schwerer Vorhang über das Dorf, doch für Isadora war es kein Schlaf, der kam. Es war ein stilles Wachen, ein inneres Beben, das stärker war als jeder Sturm. Die Worte der alten Heilerin, die sie vor Jahren gemurmelt hatte, hallten in ihrem Kopf wider: „Manche Gaben sind ein Segen, andere ein Fluch.“ Und Isadora war sich mit jeder Faser ihres Seins sicher, dass ihre Gabe ein Fluch war.
Sie hatte versucht, es zu verdrängen, es zu ignorieren. Doch seit jener Nacht im Wald, seit dem Moment, als das Licht aus ihren Händen geströmt war, um die Dornenranken zurückzudrängen, war nichts mehr wie zuvor. Ein ständiges Kribbeln unter ihrer Haut, ein Leuchten, das sie nur zu gut spürte, aber nicht kontrollieren konnte. Manchmal, wenn sie sich erschrak oder wütend war, schienen die Kerzen in ihrem Zimmer heller zu flackern, oder ein kühler Lufthauch strich um sie herum, obwohl die Fenster fest verschlossen waren.
„Es ist nicht normal“, flüsterte sie sich selbst zu, die Stimme rau vor Ungesagtem. Sie biss sich auf die Unterlippe und starrte auf ihre Hände, als könnten sie ihr eine Erklärung liefern. Sie waren doch nur ihre Hände, Hände, die Kartoffeln schälten, Wolle kämmten und das Brot ihrer Mutter formten. Sie waren nicht dazu bestimmt, Licht zu gebären oder die Luft zum Tanzen zu bringen.
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