AIBookCraft

Chapter 3

Kapitel 3: Die Entscheidung

Roxy trifft Dustin im Hafenlager, wo er ihr die Details des illegalen Turniers enthüllt. Sie erfährt, dass er selbst in Gefahr ist, und eine unerwartete Wendung zwingt sie, sich zwischen Misstrauen und Vertrauen zu entscheiden.

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Roxy kam pünktlich um zehn Uhr am Hafen an. Die Lagerhalle war riesig, das rostige Wellblechdach glänzte im Mondlicht. Sie hatte sich bewusst für ihre Trainingskleidung entschieden: enge Leggings, ein ärmelloses Top, leichte Boxschuhe. Falls es schiefging, war sie bereit.

Sie klopfte an die Seitentür – das gleiche Muster wie beim letzten Mal. Nichts geschah. Sie atmete tief durch, überlegte, ob sie umkehren sollte, aber die Neugier war stärker. Sie drückte die Klinke hinunter. Die Tür war unverschlossen.

Drinnen war es hell erleuchtet. In der Mitte der Halle stand ein Boxring, professionell aufgebaut, mit blauen Seilen und sauberem Canvas. Darum herum Sitzreihen, etwa hundert Plätze. Scheinwerfer hingen von der Decke. Der Raum roch nach Schweiß und Metall.

„Du bist pünktlich.“ Dustin tauchte aus dem Schatten auf, ein dampfender Kaffeebecher in der Hand. Er trug einen schwarzen Anzug, das weiße Hemd offen am Kragen. Sein Haar war ein wenig zerzaust, seine Augen wach. „Gefällt es dir? Ich hab ihn extra für dich aufbauen lassen.“

Roxy blieb an der Tür stehen. „Für mich? Oder für das Turnier?“

„Für dich. Ich wollte, dass du siehst, was möglich ist. Setz dich.“ Er deutete auf einen Stuhl in der ersten Reihe. Sie zögerte, aber dann setzte sie sich. Er ließ sich neben ihr nieder, stellte den Kaffee ab. „Ich hab dir eine ernste Frage zu stellen.“

„Schieß los.“ Ihre Stimme war fester, als sie sich fühlte.

Dustin sah sie an, seine Miene wurde ernst. „Das Turnier, von dem ich sprach – es ist kein normales. Es wird von einem Mann namens Viktor organisiert. Er hat Verbindungen ins kriminelle Milieu. Irgendwann vor einem Jahr bin ich ihm in die Quere gekommen. Lange Geschichte. Jetzt will er mich zerstören. Und er benutzt das Turnier, um mich zu demütigen. . . und vielleicht töten zu lassen.“

Roxy runzelte die Stirn. „Und was hat das mit mir zu tun? Du willst, dass ich für dich kämpfe, damit du ihn besiegst? Klingt nach einem schlechten Film.“

„Nein, Roxy. Du sollst nicht für mich kämpfen. Du sollst stattdessen meinen Platz einnehmen. Ich bin selbst gemeldet, aber ich kann nicht antreten. Ich hab mir vor zwei Wochen die Hand gebrochen. Der Arzt sagt, noch sechs Wochen Gips. Viktor weiß das nicht. Wenn ich nicht antrete, verliere ich alles – meine Leute, meine Halle, mein Leben. Aber wenn du an meiner Stelle antrittst, unter meinem Namen, dann kann ich die Fäden im Hintergrund ziehen. Du wirst nicht gegen irgendwen kämpfen, sondern gegen seinen besten Schläger. Wenn du gewinnst, ist Viktor erledigt.“

Ihr Herz schlug schneller. „Du willst, dass ich mich als dich ausgebe? Das ist verrückt!“

„Es ist riskant, ja. Aber du hast das Zeug dazu. Ich hab gesehen, wie du kämpfst. Außerdem: Der Preis ist echt. Halbe Million. Du behältst alles. Ich will nur den Sieg. Und deine Hilfe.“ Er beugte sich vor, seine Augen suchten ihre. „Ich weiß, dass ich dir bisher Grund zum Misstrauen gegeben habe, mit den Drohungen, dem Test. Aber ich schwöre, das war notwendig. Viktor hat überall Spitzel. Ich musste sicher sein, dass du belastbar bist. Und du hast es bewiesen.“

Roxy stand auf, ging um den Ring herum. Sie dachte an Heiko, an ihre Schulden, an das trostlose Leben. Halbe Million. Ein neuer Anfang. Aber auch: sich in eine kriminelle Fehde einmischen, das war Wahnsinn. „Was passiert, wenn ich verliere?“

Dustin stand ebenfalls auf, trat zu ihr. „Dann wirst du verletzt, vielleicht schwer. Aber ich sorge dafür, dass medizinische Hilfe bereitsteht. Und ich beschütze dich danach, egal wie es ausgeht. Du bekommst eine Summe als Vorschuss, zehntausend Euro. Auf jeden Fall. Um deine Schulden zu bezahlen, Heiko zu helfen. Ich will nicht, dass du aus Not zustimmst, sondern aus Überzeugung.“

Sie drehte sich zu ihm um. „Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Was ist der Haken?“

Dustin lächelte schief. „Der Haken: Ich muss dir vertrauen, dass du nicht zu Viktor überläufst. Dass du durchhältst. Dass du mich nicht betrügst. Wenn du verlierst, verliere ich von neuem. Du bist meine einzige Chance.“ Seine Stimme wurde leise. „Ich weiß, das ist viel verlangt. Aber ich habe keinen anderen Ausweg.“

In seinen Augen sah Roxy etwas Verletzliches, das sie nicht erwartet hatte. Seine arrogante Maske war nicht mehr da, nur ein Mann, der verzweifelt war. Sie spürte einen Stich von Mitgefühl. „Und wenn ich ablehne? Dann werde ich gehen, und du suchst dir einen anderen Kämpfer? Oder jagst du mich dann doch?“

Er schüttelte den Kopf. „Wenn du ablehnst, lass ich dich gehen. Keine Drohungen, keine Nachspiele. Du gehst, und meine Probleme bleiben meine. Aber ich hoffe, dass du hilfst. Nicht nur des Geldes wegen, sondern weil ich das Gefühl habe, dass wir uns verstehen. Ich hab dich beobachtet in der Bar, wie du getanzt hast, wie du mit den Idioten umgegangen bist. Du bist stark, Roxy. Nicht nur körperlich. Du hast was, das viele nicht haben: Herz.“

Sie schaute zu Boden, die Hände zu Fäusten geballt. „Das ist eine große Entscheidung. Ich kann jetzt nicht Ja oder Nein sagen. Kann ich bis morgen darüber schlafen?“

„Natürlich. Du kannst gehen. Und wenn du dich entschieden hast, ruf mich an oder schreib mir. Wir treffen uns dann noch einmal, um die Details zu besprechen. Aber eine Sache noch.“ Dustin griff in seine Innentasche und zog ein dickes Kuvert hervor. „Hier, die zehntausend. Ein Vorschuss. Nimm es, auch wenn du Nein sagst. Als Entschuldigung für den unschönen Test gestern.“

Sie nahm das Kuvert, spürte das Gewicht. „Das kann ich nicht annehmen.“

„Doch, das kannst du. Ich hab Geld genug. Und du brauchst es. Bitte.“ Er drückte es ihr in die Hand. Seine Finger streiften ihre, leicht, warm. Ein kurzer Blick, der länger dauerte, als nötig. Ihr Puls raste.

„Danke“, flüsterte sie und steckte es ein.

„Ich hoffe, du wählst das Richtige. Für uns beide.“ Er lächelte, aber seine Augen waren ernst.

Sie verließ die Halle, der Wind wehte kalt vom Hafen her. Auf dem Heimweg konnte sie nicht aufhören zu denken. Das Geld in ihrer Tasche fühlte sich wie ein Versprechen an – aber auch wie eine Falle. Sie wusste nicht, ob sie ihm trauen konnte. Aber sein Geständnis hatte sie berührt. Vielleicht war er nicht der Arsch, für den sie ihn hielt. Vielleicht war er einfach nur ein Mann, der um sein Leben kämpfte.

Am nächsten Morgen wachte sie früh auf. Sie griff zum Handy und tippte eine Nachricht: „Ich mach es. Aber ich brauche noch ein Treffen, um alles zu besprechen. Heute Abend? Gleicher Ort, neue Zeit. 20 Uhr.“

Die Antwort kam sofort: „Ich erwarte dich. Bereite dich vor – das Training beginnt. Und Roxy: Danke.“

Sie legte das Handy weg und spürte, wie sich ihre Mundwinkel hoben. Ein Abenteuer. Ein Sprung ins Ungewisse. Aber irgendwie fühlte es sich richtig an. Sie stand auf, zog ihr Training an und ging ins Fitnessstudio. Heute würde sie sich auf den Kampf vorbereiten. Auf das, was kommen würde.

Unterwegs dachte sie an Dustin, an seine Nähe, an seinen warmen Blick. Sie wusste nicht, ob sie ihm vertrauen konnte. Aber sie wusste, dass sie es herausfinden wollte.

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