Chapter 6
Ein neuer Anfang
Finns Reaktion ist unerwartet. Statt Schock oder Ablehnung empfängt er Lenas Geständnis mit tiefem Mitgefühl und unerschütterlicher Entschlossenheit. Er verspricht, an ihrer Seite zu stehen, ihre Freundschaft wird durch diese Offenbarung nur noch stärker. Gemeinsam blicken sie in die Zukunft.
Die Worte hingen noch in der Luft, schwer und zerbrechlich wie gefrorene Seifenblasen. Lena hatte sie ausgesprochen, die Wahrheit, die sie so lange in den Tiefen ihres Herzens verborgen hatte, und nun wartete sie, mit angehaltenem Atem, auf Liams Urteil. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt, die Knöchel weiß, und ihre Augen suchten verzweifelt nach einem Zeichen, einem Hinweis, wie er ihre Offenbarung aufnehmen würde. Würde er fliehen? Würde er sie verurteilen? Würde ihre Freundschaft, die so viele Jahre überdauert hatte, unter dieser schweren Last zerbrechen?
Liam starrte sie an, seine Augen weit aufgerissen, aber nicht vor Schock oder Abscheu. Stattdessen schien eine tiefe Welle des Mitgefühls über sein Gesicht zu ziehen, ein Gefühl, das Lena so gut kannte, das sie aber in diesem Moment so dringend brauchte, dass es ihr fast den Atem raubte. Er sah sie an, wirklich an, und in diesem Blick lag keine Spur von Bedauern, kein Anflug von Vorwurf. Nur reine, unverfälschte Sorge und eine Liebe, die tiefer ging, als Lena es sich je hätte vorstellen können.
Ein leises Geräusch entwich seinen Lippen, ein kaum hörbares Seufzen, das aber mehr sagte als tausend Worte. Dann hob er langsam eine Hand, zögerte einen Moment, als würde er ihre Verletzlichkeit spüren, bevor er sanft ihre Wange berührte. Seine Haut war warm, beruhigend, und Lena schloss die Augen, ließ sich von dieser Berührung treiben.
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