Chapter 4

Spuren der Distanz

Finn bemerkt Lenas wachsende Zurückgezogenheit, ihre plötzlichen Rückzüge und die traurigen Blicke. Ihre Launen sind ihm ein Rätsel. Besorgnis nagt an ihm. Er fühlt, dass etwas nicht stimmt, dass ihre Leichtigkeit einer schweren Last gewichen ist.

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Finn konnte es nicht leugnen. Lena war anders geworden. Ihre einst so überschäumende Lebensfreude, die ansteckende Energie, die ihn immer wieder mitgerissen hatte, schien einem stillen, fast unsichtbaren Schleier gewichen zu sein. Es waren die kleinen Dinge, die ihn stutzig machten, und doch waren sie so prägnant, dass er sie nicht länger ignorieren konnte. Ihre Lachen klangen nicht mehr ganz so frei, ihre Augen, die ihn einst wie zwei klare Bergseen anstrahlten, trugen nun oft einen Anflug von Melancholie, einen tiefen Schatten, den er nicht zu deuten vermochte.

Er erinnerte sich an den letzten Nachmittag, den sie gemeinsam am Flussufer verbracht hatten. Sie hatten Steine ins Wasser geworfen, wie sie es schon unzählige Male getan hatten, jeder Spritzer ein kleines Versprechen des Glücks. Doch Lena hatte sich immer wieder zurückgezogen, hatte mit den Fingern durch das kühle Wasser gezogen, ohne wirklich präsent zu sein. Wenn er sie ansprach, ihre Hand berührte, zog sie sich unwillkürlich zurück, als wäre seine Berührung zu viel, zu intensiv. „Alles in Ordnung, Lena?“, hatte er gefragt, seine Stimme sanft besorgt. Sie hatte ihm ein flüchtiges Lächeln geschenkt, das seine Seele nicht erreichte. „Ja, klar, Finn. Nur ein bisschen müde.“ Aber es war nicht die Müdigkeit, die er kannte. Es war eine tiefer sitzende Erschöpfung, die ihre Schultern niederdrückte und ihre Stimme leiser machte.

Auch ihre Gespräche hatten sich verändert. Früher hatten sie stundenlang über alles und nichts geredet, hatten Pläne geschmiedet, Träume geteilt, Geheimnisse geflüstert, die nur ihnen gehörten. Jetzt fühlte sich Finn oft wie ein Einbahnstraßen-Gesprächspartner. Er erzählte von seiner neuen Leidenschaft für die Sternenkonstellationen, von seinen Gedanken über die Unendlichkeit des Universums, und Lena hörte zu, nickte, lächelte, aber ihre Antworten waren kurz, oft abwesend. Es war, als würde sie hinter einer unsichtbaren Mauer stehen, und er stand davor, unfähig, die Barriere zu durchdringen.

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