Chapter 1

Das unerwartete Erwachen

Walt, ein junges Mädchen, lebt ein normales Leben, bis seltsame Dinge um sie herum geschehen. Sie entdeckt, dass sie eine Fee ist, was sie zutiefst verunsichert und überfordert. Ihre Kräfte sind unkontrollierbar.

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Walt lebte in einer Welt, die so gewöhnlich war, dass sie fast unsichtbar schien. Ihr kleines Zimmer war voller Bücher, die nach Papier und Abenteuer rochen, und aus dem Fenster blickte sie auf einen Garten, der in den immer gleichen Grüntönen des Sommers erstrahlte. Walt war ein Mädchen, das sich gerne versteckte, sei es hinter den Seiten eines Buches oder in den Ecken ihres eigenen Geistes. Sie war nicht laut, nicht auffällig, und das war ihr am liebsten so. Doch in letzter Zeit schien die Welt selbst ein komisches Eigenleben zu entwickeln, und seltsame Dinge passierten, Dinge, die Walt nicht erklären konnte.

Es begann schleichend, wie ein Flüstern im Wind. Kleine, unerklärliche Lichterscheinungen, die in ihrer Nähe aufblitzten, wenn sie besonders aufgeregt oder wütend war. Einmal fiel ihr eine Tasse aus der Hand, sie war sich sicher, sie würde zerschellen, doch sie schwebte einen Moment in der Luft, bevor sie sanft auf dem Teppich landete, unbeschädigt. Walt hatte es nur für den Bruchteil einer Sekunde gesehen, aber es war genug, um ihr Herz schneller schlagen zu lassen. Sie schob es auf Übermüdung, auf Einbildung, auf alles, nur nicht auf etwas, das sie selbst getan haben könnte.

Heute war es schlimmer. Sie saß am Küchentisch und versuchte, ihre Hausaufgaben zu machen, aber die Zahlen und Buchstaben auf dem Papier verschwammen vor ihren Augen. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Schläfen, und plötzlich schien die Luft um sie herum zu knistern. Die Glühbirne über dem Tisch flackerte wild, so als ob sie gleich explodieren würde, und ein leiser Ton, wie das Summen einer Biene, erfüllte den Raum. Walt hielt sich die Ohren zu, ihr Atem ging stoßweise. Dann, so schnell wie es gekommen war, war es wieder vorbei. Die Glühbirne leuchtete wieder normal, und die Stille kehrte zurück, nur unterbrochen vom tickenden Geräusch der Wanduhr.

"Alles in Ordnung, Schatz?", rief ihre Mutter aus dem Wohnzimmer.

Walt zuckte zusammen. "Ja, Mama, alles bestens. Nur ein bisschen müde." Ihre Stimme klang dünn, unsicher. Sie blickte auf ihre Hände. Sie waren normal, nichts Ungewöhnliches. Aber tief in ihr drin, da spürte sie etwas. Ein Kribbeln, ein Ziehen, als ob ein unsichtbarer Faden von ihr ausging und die Welt um sie herum beeinflusste.

Die Tage vergingen, und die seltsamen Vorfälle häuften sich. Blumen in ihrem Zimmer blühten über Nacht auf, wenn sie sich besonders glücklich fühlte. Einmal, als sie sich vor einem bellenden Hund versteckte, schien sich der Weg vor ihr zu winden und ihr eine unsichtbare Barriere zu bieten, durch die der Hund nicht hindurchkam. Walt wurde immer ängstlicher. Sie begann, sich selbst zu misstrauen, ihre eigenen Sinne anzuzweifeln. War sie krank? Wurde sie verrückt?

Eines Nachmittags, als sie durch den Wald hinter ihrem Haus spazierte, um ihren Gedanken nachzuhängen, hörte sie ein Geräusch. Es war kein normales Geräusch, kein Rascheln von Blättern oder Zwitschern von Vögeln. Es war ein leises, klagendes Wimmern, das aus einem dichten Gebüsch kam. Walt zögerte. Ihre Angst zog sie zurück, aber eine andere, stärkere Kraft, zog sie vorwärts – die Neugier, die Hilfsbereitschaft, die tief in ihr schlummerte.

Vorsichtig schob sie die Zweige beiseite. Dort, im Schatten, lag etwas Kleines und Verängstigtes. Es war ein Wesen, das sie noch nie zuvor gesehen hatte. Es sah aus wie ein kleiner Stern, der auf die Erde gefallen war und nun matt und zitternd in den Moosboden sank. Es war durchscheinend, und in seinem Inneren schien ein sanftes Licht zu pulsieren, das jedoch nur noch schwach glühte. Kleine, feine Flügel, die wie aus Spinnenseide wirkten, waren zerknittert und schienen verletzt zu sein. Ein leises, trauriges Fiepen entwich ihm.

Walt erstarrte. Ihr Herz pochte wild gegen ihre Rippen. Dieses Wesen war eindeutig in Not, aber die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem, was sie selbst sein könnte, lähmte sie. Sie wollte wegrennen, sich verstecken, so wie sie es immer tat. Doch dann sah sie die großen, verängstigten Augen des Wesens, die sie verzweifelt anblickten. In diesen Augen sah sie nicht nur Angst, sondern auch einen Funken Hoffnung, der an sie gerichtet war.

"Hallo?", flüsterte Walt, ihre Stimme kaum hörbar.

Das Wesen zuckte zusammen, aber es versuchte, sich aufzurichten. Ein leiser Schrei der Anstrengung entkam ihm. Es war offensichtlich schwach.

Walt spürte, wie eine Welle von Mitleid sie überkam, stärker als ihre Angst. Sie kniete sich langsam nieder, achtete darauf, das Wesen nicht zu erschrecken. "Keine Angst", sagte sie sanft. "Ich tue dir nichts."

Sie streckte eine Hand aus, zögerte aber, sie zu berühren. Was, wenn sie es noch mehr verletzte? Was, wenn sie etwas falsch machte? Die Gedanken rasten durch ihren Kopf. Und dann, ganz von selbst, geschah etwas. Als ihre Hand sich dem Wesen näherte, begann ein warmes, goldenes Licht von ihren Fingerspitzen auszugehen. Es war dasselbe Licht, das sie in letzter Zeit so oft bemerkt hatte, aber diesmal war es stärker, bewusster.

Das kleine Wesen schien von dem Licht angezogen zu werden. Es hob seinen Kopf und seine Augen weiteten sich. Das schwache Pulsieren in seinem Inneren wurde ein wenig heller. Walt spürte, wie eine angenehme Wärme durch ihren Arm floss, eine Art Energie, die sie noch nie zuvor gefühlt hatte.

"Du... du kannst das?", flüsterte Walt erstaunt, mehr zu sich selbst als zu dem Wesen.

Das Wesen gab ein leises Summen von sich, das wie ein zustimmendes Geräusch klang.

Walt wagte es, ihre Finger vorsichtig auf die zerknitterten Flügel des Wesens zu legen. Sie waren zerbrechlich und fühlten sich an wie getrocknete Blütenblätter. Sie spürte, wie ihre eigene Energie in das Wesen floss, wie ein warmer Fluss. Das goldene Licht um ihre Hände wurde intensiver, und das Wesen begann, sich zu entspannen. Sein Zittern ließ nach, und das schwache Leuchten in seinem Inneren wurde kräftiger und regelmäßiger.

Plötzlich schoss ein Gedanke durch Walts Kopf, so klar und deutlich, dass er sie fast erschreckte: *Ich bin eine Fee.*

Das Wort hallte in ihrem Geist wider, unaufhaltsam, unbestreitbar. Es war, als ob sich eine Tür in ihr geöffnet hätte, die sie nie zuvor bemerkt hatte. Sie war keine gewöhnliche Walt mehr. Sie war etwas anderes. Etwas Magisches.

Die Erkenntnis schlug sie mit voller Wucht. Überforderung, Angst, Verwirrung – alles stürzte auf sie ein. Sie war eine Fee? Sie? Das unscheinbare Mädchen, das sich am liebsten versteckte? Das konnte nicht sein. Das war unmöglich.

Sie zog ihre Hand zurück, als ob sie sich verbrannt hätte. Das goldene Licht erlosch abrupt. Das Wesen fiel in sich zusammen, sein Leuchten wurde wieder schwächer. Ein leises, enttäuschtes Wimmern war zu hören.

Walt starrte es an, ihre Augen weit aufgerissen vor Schreck. "Ich... ich weiß nicht, was ich tue", stammelte sie. "Ich kann das nicht. Ich bin nicht... ich bin nicht stark genug."

Die Worte kamen aus ihr heraus, so wie sie sich fühlte: unsicher, ängstlich, überfordert. Sie hatte Angst vor dieser neuen Seite von sich, Angst vor den Kräften, die sie nicht verstand und nicht kontrollieren konnte.

Das Wesen blickte sie mit seinen großen Augen an, und in ihnen lag nun weniger Hoffnung, dafür mehr Besorgnis. Es hob eine winzige, schimmernde Hand und deutete auf Walt. Dann, mit letzter Kraft, schien es zu flüstern, obwohl kein Ton zu hören war, nur ein Gefühl, das Walt in ihrem Herzen empfand: *Du bist.*

Walt schüttelte den Kopf, Tränen stiegen ihr in die Augen. "Nein", flüsterte sie. "Ich bin nicht. Ich bin nur Walt. Und ich habe Angst."

Sie stand auf und stolperte rückwärts, weg von dem Wesen, weg von der Erkenntnis. Sie wollte nur noch weg. Weg von diesem Wald, weg von diesem seltsamen Wesen, weg von der Wahrheit, die sie so sehr erschreckte.

Sie drehte sich um und rannte. Sie rannte, ohne zurückzublicken, ihre Füße schlugen auf den Waldboden, ihre Lungen brannten. Hinter ihr hörte sie nichts, aber sie spürte die Präsenz des Wesens, das sie gerade im Stich gelassen hatte. Sie spürte die Macht, die in ihr schlummerte und die sie nicht annehmen wollte.

Als sie sich endlich am Rand des Waldes befand, keuchend und zitternd, fiel sie auf die Knie. Die Sonne schien auf sie herab, aber sie konnte ihre Wärme nicht spüren. Sie war allein mit ihren Gedanken, und die Erkenntnis, dass sie eine Fee war, schwebte wie ein dunkler Schatten über ihr. Sie war überfordert. Sie war unsicher. Sie war ängstlich. Aber tief in ihrem Inneren, ganz leise, da war auch ein Funke Neugier, ein Hauch von etwas Neuem, das sie nicht ganz abschütteln konnte. Die Welt hatte sich verändert, und mit ihr Walt. Und sie wusste im tiefsten Inneren, dass dies erst der Anfang war.

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