Chapter 6

Erste Schritte

Isadora beginnt heimlich, ihre Kräfte zu erforschen. Sie experimentiert vorsichtig, doch die Kontrolle ist schwierig. Kleine Erfolge wechseln sich mit Rückschlägen ab. Sie ist unsicher.

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Die ersten Schritte waren zögerlich, so wie die eines Kindes, das zum ersten Mal auf wackeligen Beinen steht. Doch Isadora war kein Kind mehr, und die Welt, in der sie sich befand, war weit davon entfernt, einem Spielplatz zu gleichen. Es war die Dunkelheit ihrer Kammer, die zu ihrem heimlichen Trainingsort wurde, eine Zuflucht vor den neugierigen Blicken und den unausgesprochenen Fragen der Dorfbewohner. Jeder Schatten, der sich in den Ecken breitmachte, schien sie anzustarren, und doch waren es gerade diese Schatten, die sie zu beherrschen lernte.

Sie begann mit dem Offensichtlichsten: dem Kerzenlicht. Es war ein einfacher Anfang, fast trivial, doch die bloße Vorstellung, es mit reiner Willenskraft zu beeinflussen, ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie setzte sich auf den Boden, die Beine im Schneidersitz verschränkt, und schloss die Augen. Sie stellte sich vor, wie die Flamme heller wurde, wie sie tanzte und sich ausdehnte, wie sie auf ihren Befehl gehorchte. Zuerst geschah nichts. Die Flamme brannte stetig, ein stiller Zeuge ihrer Bemühungen. Enttäuschung kroch in ihr hoch, eine vertraute Begleiterin. Doch sie gab nicht auf. Sie erinnerte sich an das Gefühl, das sie im Wald überkommen hatte, dieses Prickeln unter der Haut, dieses Gefühl, als ob etwas in ihr erwacht wäre. Sie suchte dieses Gefühl, rief es hervor, konzentrierte sich darauf, es zu lenken.

Und dann, ganz allmählich, geschah es. Ein winziges Zucken der Flamme, kaum wahrnehmbar, als hätte ein unsichtbarer Windhauch sie gestreift. Isadora öffnete die Augen weit. Ein Lächeln zog über ihr Gesicht, ein zaghaftes, aber echtes Lächeln. Sie versuchte es wieder, diesmal mit mehr Nachdruck. Sie stellte sich vor, wie die Flamme wie ein goldener Faden zu ihr aufstieg, wie sie sich um ihre Fingerspitzen wickelte. Die Flamme flackerte wilder, ein Auf und Ab, das sie fast aus dem Gleichgewicht brachte. Dann, mit einem plötzlichen Ruck, schoss die Flamme in die Höhe, wurde heller und größer, als hätte sie einen Schluck reiner Energie getrunken. Isadora keuchte. Ihre Hände waren ausgestreckt, ihre Finger gespreizt, und sie spürte die Hitze, die von der Flamme ausging, nicht auf ihrer Haut, sondern tief in ihrem Inneren. Es war ein überwältigendes Gefühl, eine Mischung aus Macht und Ehrfurcht.

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